Remo Albert Alig


Remo Albert Alig (*1971) ist ein vielseitiger Universalkünstler, der in seiner alchemistischen Experimentierkammer Werke entwickelt, die auf der Auseinandersetzung mit Philosophie, Literatur, Mystik, Geschichte und Religion basieren. Auf diesem mannigfaltigen Substrat aufbauend entwickelt er Destillate, die subtil und fast unscheinbar wirken, bei genauerer Analyse aber von enigmatischer Dichte sind.
Für den Fontanapark hat Alig eine Werktrilogie entwickelt, die auf die Örtlichkeit des Parks Bezug nimmt und dabei das Gedankengut der Barockzeit und die Historie der Familie von Salis-Soglio aufgreift. Gleichzeitig folgen die drei Arbeiten dem Prinzip des «Opus Magnum», dem übergeordneten Entsprechungssystem der dreistufigen Alchemie, welche zur Zeit des Barocks Hochblüte feierte und mit der sich Alig in seinem künstlerischen Schaffen intensiv auseinandersetzt.

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Himmel und Hölle, 2012
Die Bodenarbeit Himmel und Hölle – anlehnend an das alte, verbreitete Hüpfspiel – gibt dem/r BesucherIn die Möglichkeit, über 10 Felder in himmlische Sphären aufzusteigen. Die einzelnen Felder sind aus Scaläraschiefer gearbeitet, einem schwärzlichen Stein aus dem Scaläratobel. Um diese Schlucht zwischen Chur und Trimmis rankt sich eine Sage über das Churer Fegefeuer, so dass der für die Arbeit verwendeten materia prima das Spiel zwischen Himmel und Hölle bereits eingeschrieben ist. Darüber hinaus lässt sich das Toponym Scalära in übertragenem Sinn als «himmelwärts» lesen (Scala: Stufen, Treppe, Leiter und Aria: Luft, Himmel). In Himmel und Hölle manifestiert sich die erste Stufe (Nigredo) der alchemistischen Transmutation, die, in den Boden eingelassen, dem schwarzen Urzustand entspricht, wobei der Hinweis auf Zukünftiges (den Himmel) aber bereits darin enthalten ist.


‹Himmel und Hölle›, 2012 ·  Bodenarbeit; Scalärastein, Blei, Messing, 120 × 420 cm,
in Zusammenarbeit mit Marionna Fontana
Courtesy Remo Albert Alig, Foto: Ralph Feiner

Arcadia, 2012
«Vergängliche Flora hauch künftiges Gold hochauf zu den Sternen - et in Arcadia ego» 
Arcadia, Aligs zweite Arbeit im Park, besteht aus einer Mauerinschrift, die durch das Reinigen der Mauerpatina entstanden ist und in ihrer Weissung und horizontalen Ausrichtung die zweite Stufe (Albedo) der Alchemie vergegenwärtigt. Der poetische Schriftzug basiert – wie für Alig charakteristisch – auf einem breiten literarisch-philosophisch-historischen Bezugssystem, welches er mit der Parklandschaft verknüpft. So verweist die Inschrift auf das in der Barockzeit geläufige Phrasenpaar von «memento mori» (gedenke des Todes) und «carpe diem» (geniesse den Tag), eine  Dichotomie, die im Teilsatz et in Arcadia ego seine Entsprechung findet. So wurde das Arkadien-Zitat von Erwin Panofsky auf seine Bedeutungsebenen hin untersucht und kann als Ausdruck des friedfertigen Landes verstanden werden, aber auch als Verweis, dass selbst im goldenen Zeitalter der Tod omnipräsent ist. Der vom Künstler gewählte Standort der Arbeit verankert dieses scheinbare Paradoxon im Kontext des Parks: Die Mauer steht hinter Parkbänken, die zum Geniessen einladen, liegt aber auch in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Kalksteinrohling, der an den Tod von Margarethe Perpetua von Salis-Soglio erinnert. Dem freudvollen Zustand des Erholens schwingt also selbst im Fontanapark die leise Melancholie der Vergänglichkeit entgegen, die sich im Schriftzug auch in materieller Hinsicht manifestiert: Unter dem Einfluss von Regen, Luftfeuchtigkeit und Schmutzablagerungen werden Moos und Algen die Inschrift im Laufe der Zeit wieder eingrünen.



‹Arcadia›, 2012 ·  Wandarbeit; Inschrift (Alig'12) gereinigt in Mauer­patina, 20 × 1340 cm,
in Zusammenarbeit mit Marionna Fontana
Courtesy Remo Albert Alig, Foto: Ralph Feiner

Baumkrone, 2012
Den Abschluss, die wortwörtliche Krönung von Aligs Trilogie bildet die Arbeit Baumkrone. Die in der Mitte des Spitzahornstamms montierte Krone aus Messing und Kristallen nimmt Bezug auf das grosse Kräftefeld des Fontanaparks sowie auf dessen Geometrie, die der Lehre der Entsprechungen folgt. So bildet die Baumkrone einerseits das Gegenstück zur Krone über dem Wappen der Familie von Salis, die auf der Seite der Poststrasse beim Türsturz des «Alten Gebäus» angebracht ist – genau in der Verlängerung der in ost-westlicher Richtung verlaufenden Zentralachse. Andererseits versinnbildlicht die Krone die königliche Situation, die dem Spitzahorn infolge seiner Platzierung und Neigung zukommt. Denn er bildet nicht nur einen zentralen Bezugspunkt im Park, von dem die gesamte geometrische Anordnung ausgeht, sondern der Neigungswinkel des Stamms entspricht darüber hinaus ungefähr demjenigen der Erdachse. Für Alig eröffnen sich hierin weitere Bezüge zur kosmischen Ordnung (Jahreszeiten, Wandlung von Sonne und Licht). Die Baumkrone bildet neben ihrer Einbindung in das Entsprechungssystem des Parks den Kulminationspunkt (Rubedo) der dreistufigen Alchemie. Bei Sonnenaufgang golden funkelnd, führt sie den BesucherInnen die Vollendung des alchemistisch-hermetischen Werks vor Augen.




‹Baumkrone›, 2012 ·  Krone; Messing, Kristalle, 30 × 140 cm, ø 44 cm,
in Zusammenarbeit mit Marionna Fontana
Courtesy Remo Albert Alig, Foto: Ralph Feiner