Carmen Müller


Die Loge an der Buche, 2012
Der öffentliche Raum charakterisiert sich mitunter darin, dass sich in ihm verschiedene Nutzungsformen überlagern und verdichten. So verschränken sich auch im Fontanapark verschiedene Funktionen. Ein/e Passant/in wählt den Weg durch den Park vielleicht als Abkürzung, während eine andere Person diesen als Ort der Ruhe aufsuchen und zur Entspannung den Kieswegen entlang schlendern mag.
Carmen Müller (*1955) setzt sich in ihrer Arbeit mit den sozialen Funktionen auseinander, die Parkanlagen eingeschriebenen sind. Umgeben von urbaner Zivilisation bieten sie nicht nur eine ruhige Oase – ein Stück artifizieller Natur –, sondern sind darüber hinaus zugleich Begegnungsorte, an denen sich Menschen treffen und …

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… miteinander austauschen. Der Künstlerin fiel bei ihrem Augenschein im Fontanapark auf, dass insbesondere die alte Blutbuche im Herzen der Anlage als beliebter Austauschort frequentiert wird. An diese Beobachtung anknüpfend, schuf sie ihre „Loge“, eine leicht erhöhte, schwebend wirkende und um den Buchenstamm platzierte Rundbank, welche die Besucher/innen zum Verweilen einlädt. Die Sitzenden wenden jedoch nicht, wie bei solch Sitzgelegenheiten üblich, den Rücken zum Baum, sondern blicken zur Mitte hin dem mächtigen Stamm entgegen, auf dem sich das majestätische Blätterdach des Baumes schützend und schattenspendend über die Sitzenden ausbreitet. Der Blick auf den Baumstamm lädt die Besucherschaft zum Sinnieren ein und fördert die Kontemplation. Andererseits und trotz der Hinwendung zur „Wurzel“ der Dinge, ermöglicht die Sitzanordnung einen regen Austausch, beschreiben die Besucher/innen auf der Parkbank doch eine harmonische, dem Dialog förderliche Form. 
Dass die Künstlerin ihren Sitzplatz unter der ausladenden Baumkrone als Loge bezeichnet, lässt sich nicht nur inhaltlich begründen – unter einer Loge versteht man gemeinhin einen kleinen, abgeschlossenen Raum mit mehreren Sitzplätzen –, sondern auch etymologisch. So lässt sich das Wort Loge mitunter von der Bezeichnung „Laub“ ableiten. Müllers „Laubhütte“ ist in erster Linie aber nicht auf den für die Loge bezeichnenden Ausblick angelegt, sondern auf den Einblick, auf die Begegnungen mit sich selbst und mit anderen. Darüber hinaus bildet sie einen betretbaren Raum, der als dialogisches Gesamtkunstwerk zwischen konstruiertem Raum und Natur wahrgenommen werden kann.

www.carmenmueller.net




‹Die Loge an der Buche›, 2012 ·  Rundbank mit Lehne in Holzkonstruktion, H 73 cm, ø 930 cm,
Courtesy Carmen Müller, Foto: Ralph Feiner