Ursula Palla


Placebo II, 2012
Benedikt Fontana, der Namensgeber des Fontanaparks, fiel 1499 bei der Schlacht zu Calven im Schwabenkrieg. 400 Jahre später wurde in Chur die Calvenfeier abgehalten, an welcher der über die Jahrhunderte gewachsene Heldenmythos um Fontana Form anzunehmen begann: Ein städtisches Komitee gab dem renommierten Künstler Richard Kissling die Gestaltung eines Denkmals in Auftrag. 1903 wurde es im Park platziert und erinnert seither an den Lokalhelden.

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Ursula Palla (*1961) nimmt das Denkmal Fontanas als Ausgangspunkt, um die heutige Bedeutung und Funktion von Repräsentationsmalen im öffentlichen Raum zu befragen. Die Künstlerin, die vorwiegend mit dem Medium Video arbeitet, erweitert das Denkmal zu einer Installation, indem sie es mit Videoprojektionen bespielt, die bei Nacht von am Park entlang spazierenden Passanten sichtbar sind. Den Betrachtenden bietet sich ein Bild einer kleinen, züngelnden Flamme, die aufflackert und bald als loderndes Feuer den gesamten Körper von Fontana überzieht. Kurzzeitig schmilzt die Bronzeplastik in der knisternden Feuersbrunst dahin, bevor sich die Flammen zurückziehen, um auf der Schwertspitze erneut zum Angriff auf das Denkmal anzusetzen.  
Denkmäler sind stumme Zeugen der Geschichte, stiften Identität und übernehmen eine repräsentative Funktion. Sie sichern wichtigen Personen oder Ereignissen einen Platz im kulturellen Gedächtnis. Doch wie präsent und lebendig sind sie tatsächlich in der kollektiven Erinnerungskultur verankert? „Das auffallendste an Denkmälern ist, dass man sie nicht bemerkt“, so die viel zitierte Beobachtung des 1942 verstorbenen Schriftstellers und Theaterkritikers Robert Musil. Der materiellen wie auch scheinbar inhaltlichen Dauerhaftigkeit von Denkmälern begegnet auch Palla mit einer gewissen Skepsis – was der Titel der Arbeit verdeutlicht – und setzt dem Ewigkeits- und Beständigkeitsanspruch eine Geste des Auflösens entgegen. Mit ihrer symbolischen Verbrennung befragt sie den Helden in seiner für die Gegenwart inhaltlichen Relevanz und knüpft daran Überlegungen zur Legitimation der räumlichen Beanspruchung, die im Fall Fontanas von nicht geringem Ausmass ist. Pallas Arbeit Placebo II versucht nicht, in ikonoklastischer Manier den Park von seiner Geschichte zu befreien, sondern hinterfragt vielmehr, wie mit Denkmälern Geschichte gemacht, wahrgenommen und transportiert wird.

www.ursulapalla.ch

‹Placebo II›, 2012 ·  Videoprojektion auf Denkmal (Nachtprojektion), Loop, Dauer 11'