Roman Signer


Fontäne, 2012
Roman Signers (*1938) Atelier ist die Natur. Sie ist ihm Ort für seine Experimente, ist wichtige und vielfältige Inspirationsquelle und liefert ihm zugleich den Rohstoff für seine Kunst. Die klassischen vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde, Luft – nutzt er seit Beginn seines künstlerischen Schaffens als zentrale Werkstoffe. Weil der zeitliche Ablauf meist mitspielt, spricht man bei Signer von inszenierten, skulpturalen „Ereignissen“. Mit diesen weitet er seit den 1970er Jahren den Skulpturenbegriff. Dass Signer für seine Intervention …

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… im Fontanapark den Springbrunnen wählte, überrascht nicht. Neben einem Fluss aufgewachsen, verspürt er seit jeher eine besondere Verbindung zu Wasser. Er nutzt das Naturelement nicht nur als Werkstoff, sondern das Vorhanden-Sein von Wasser ist auch oftmals ausschlaggebend für die Standortwahl seiner Skulpturen. Die Kombination von Wasser mit roten Kajaks, wie wir sie im Fontanapark vorfinden, ist dabei tief in Signers Werkvokabular verankert. Seit er das Wildwasserfahren zu Beginn der 80er Jahre aufgegeben hat, tauchen die Kajaks künstlerisch inszeniert in seinem Werk auf. Als genauer Beobachter zeigt Signer dabei ein spezifisches Interesse an den unterschiedlichsten formalen und räumlichen Konstellationen. Mit Vorliebe manövriert er Kajaks in scheinbar absurde Situationen, entwendet ihnen ihre charakteristische Eigenschaft. Er lässt sie vom Himmel fallen, nutzt sie auf Schotterstrassen als fahrbaren Untersatz oder steckt sie kopfüber in mit Wasser gefüllte Ölfässer – stets mit zugrunde liegendem Forschergeist. Auch das Kajak im Fontanapark, aus dessen Rumpf eine Wasserfontäne in die Höhe schiesst, ist seiner ursprünglichen Funktion enthoben. Wie eine Kompassnadel navigiert es im Wasserbecken und wird durch das herabprasselnde Wasser zu einem Klangkörper von poetischer Strahlkraft. Zurückhaltend und gleichzeitig unbestritten präsent fügt es sich formal wie auch farblich in die orchestrierte Parkanlage ein. In der scheinbaren Unvereinbarkeit eines im Brunnen gestrandeten Kajaks bietet sich den Betrachtenden nicht zuletzt eine erfrischende und humorvolle Erweiterung des barocken Wasserspiels. Wie immer bei Roman Signers Kunst schwingt auch bei Fontäne der Aspekt des Spielerischen mit. Denn, so der Künstler, er sei weder Handwerker noch Intellektueller. Er sei etwas dazwischen – ein Spieler.

www.romansigner.ch


‹Fontäne›, 2012 ·  Kajak, Polyester, 400 × 63 × 25 cm,
Courtesy Roman Signer, Foto: Ralph Feiner