Not Vital


Fontana, 2012
Der aus dem Unterengadin stammende Not Vital (*1948) hat sich seit den 1970er Jahren ein künstlerisches Vokabular erarbeitet, das, geprägt von seinen ausgedehnten Reisen und Wohnorten rund um den Globus, von einer Offenheit gegenüber den verschiedensten Kulturkreisen zeugt. Mit minimalistischen Gesten und subtilem Humor übersetzt er seine Eindrücke und Erfahrungen in künstlerische Werke von unmittelbarer Präsenz; so liess er ein Kamel aus Agadez einst in mehreren Silberkugeln für die Ewigkeit konservieren oder reihte Salzsäulen, die für den Verkauf auf lokalen Märkten bestimmt waren, zu einer eindrücklichen, monumentalen Installation auf. Obwohl viele seiner künstlerischen Anregungen auf Erlebnissen multikulturellen Hintergrunds basieren, so bleibt die Nähe zur archaischen Schweizer Bergwelt …

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… und zu seinem abgelegenen Heimatort in seinem Werk dennoch stets spürbar. Sie findet Ausdruck in einer ausgeprägten Naturverbundenheit, die sich in Not Vitals Schaffen in mannigfacher Weise niederschlägt. Die Natur ist ihm eine wichtige Inspirationsquelle und liefert ihm auch für die Arbeit im Fontanapark ganz unmittelbar das Motiv. Dafür überführt Not Vital einen Stamm samt einzelnen Verästelungen ins Feld der Kunst, indem er dieses objet trouvé in Bronze giessen liess. Als hochgewachsenes Bäumchen steht es inmitten der Blumenbeete, wirkt in seiner Nacktheit und Platzierung wie ein Findling in der durchorchestrierten, prachtvoll blühenden Parkanlage. In der dauerhaften Materialisierung spiegelt sich gewissermassen die unorganische Struktur des Fontanaparks. So, wie sich die Gewächse im Park nur in einem vordefinierten Raum ausbreiten dürfen und die Wilde der Natur dadurch im Zaum gehalten wird, derart scheint bei Not Vital die Kraft eines wachsenden Baums durch das enge Bronzekorsett eingebunden. Künstlich veredelt treibt die Natur hier keine Knospen, sondern erscheint in ihrer Überhöhung wie ein Zeichen ihrer eigenen Fragilität und Zerbrechlichkeit. Gleichzeitig – obwohl das Bäumchen nie Jahrringe bilden wird – pulsiert in den Zweigen Energie: Wasser zirkuliert durch das Metall und ergiesst sich aus drei Zweigenden in die Blumenbeete. Vitals Fontana löst im Kontext des Parks Assoziationen zu barocken Wasserinszenierungen aus, jener Opulenz begegnet er jedoch mit einer reduzierten Form aus der Natur, die bei Not Vital einmal mehr Quelle, Thema und Anlass seiner Kunst ist.

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‹Fontana›, 2012 ·  Bronze, 310 × 120 cm, Courtesy Not Vital, Foto: Ralph Feiner